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Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete?

Lukas 24,32

„Hinterher bin ich immer schlauer als vorher!“

 Diese Erfahrung schwingt in der Frage des Wiedererkennens am Ende des Lukasevangeliums mit.

 

Es geschieht in einem bescheidenen Haus in Emmaus, nachdem das Brot miteinander geteilt wurde. Warum eigentlich erst hinterher?

 

Vieles war auf dem traurigen Heimweg von Jerusalem nach Emmaus einfach nicht zu erkennen. Kleopas und sein Freund redeten sich alles von der Seele, weil der unbekannte Weggefährte, der sich zu ihnen gesellte, offenbar nichts mitbekommen hat von der großen Niederlage:

 

In Jerusalem sind gerade all ihre Hoffnungen durch Jesus auf ein befreites Leben zu Grabe getragen worden. Inzwischen verstört noch dazu der Bericht der Frauen: Sein Grab sei leer.

 

Wer kennt sie nicht, die bleierne Leere, wenn die Zukunft plötzlich abbricht – abrupt und unwiderruflich. Es ist nichts mehr da, was auf die farbenfrohe Vergangenheit hinweist. Es bleibt ein Tappen im Dunkeln. Der Faden, an dem sich das Leben langhangelte, ist verloren gegangen.

 

Wie soll es weitergehen? Der Weggefährte hielt mit seiner Rede dagegen an. Er fing an bei Mose und allen Propheten und legte ihnen aus, was in allen Schriften von ihm gesagt war. (Lukas 24,27) Am Abend wurde er dann zum kurz verweilenden Gast in einem Haus in Emmaus. Als er das Brot nahm, dankte, es brach und ihnen gab, half er ihnen, das Ende des Fadens wiederzufinden.

 

Es war wie beim letzten Abendmahl in Jerusalem. Mit seinen Worten über dem gebrochenen Brot bekommen die beiden Jünger den Faden wieder in die Hand und werden schlagartig zurück in das Leben gerissen. Wie Schuppen fiel es ihnen von den Augen, um nun zu erkennen, wer der Unbekannte eigentlich war.

 

Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete? Quicklebendig und hellwach stellen sie fest: Jesus war da und hat mit uns das Brot geteilt. Unser Leben und unsere Hoffnung gehen weiter, wenn wir solches zu seinem Gedächtnis tun. Seine Worte und Taten bleiben in Erinnerung und seine Gegenwart ist lebendig, wo immer wir auch sind.

 

Ihr brennendes Herz lässt sie einstimmen in den Weckruf zurück ins Leben: „Der Herr ist auferstanden, Halleluja!“ Der Aufbruch der Natur zu neuem Leben stimmt mit ein in die Osterbotschaft: Jesus lebt – mitten unter uns. Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete?

 

Eine segensreiche Passionszeit und frohe Ostern wünscht
Pfarrerin Beatrice Rummel.

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